5.2 Die Geschichte des abessinischen König

Während der Zeit, als der Prophet Muhammad in die Welt gesendet wurde, gab es einen christlichen König, der Abessinien regierte, sein Name war Armah und er war bekannt als Najaschi.[*]

Es ist auch bekannt, dass, als der Prophet Muhammad sein Prophe­tentum deklarierte und die Menschen zum Pfad Gottes rief, die meis­ten Araber gegen ihn waren und ihn mit bösen Wörtern verletzten und mit Steinen zu bewarfen.

Prophet Muhammad pflegte, so wie die Propheten vor ihm auch, das Leid um Gottes willen allein zu tragen.

Als die Götzen-Araber jedoch anfingen, seine Anhänger zu verletzen, konnte der Prophet es nicht ertragen, seine Anhänger leiden zu sehen. Daher drang er sie, nach Abessinien zu auszuwandern, denn der Kö­nig von Abessinien war ein großzügiger und gerechter Mann, er han­delte nie ungerecht mit jemanden in seinem Königreich.

Dann wanderten die schwachen Muslime im Jahr 616 (n. Chr.) nach Abessinien aus.

Als die Muslime in Abessinien ankamen, hatten die Götzenaraber ihre Abgesandten mit einigen wertvollen Geschenken zu König Naja­schi gesandt, auch mit der Forderung, dass der König die Muslime ihnen ausliefern solle.

Als die Abgesandten der Götzen beim König ankamen, verbeugten sie sich vor dem König, weil dies dort ein Ritual war, und sagten: Oh König, meine Leute raten dir, sie sandten mich, um dich vor jenen zu warnen, die in dein Königreich eintraten, denn sie sind Anhänger ei­nes Mannes, der behauptet ein Prophet zu sein. Und er sandte sie hierher, um deine Religion und dein Königreich zu verderben, daher liefere sie an uns aus, und wir werden dich vor ihnen schützen.

König Najaschi sagte: Ich kann sie euch nicht ausliefern, ohne dass ich ihnen zugehört habe.

Der Abgesandte der Götzen sagte: Um unsere Aussage zu beweisen, werde ich dir ein Zeichen geben, dass, wenn sie eintreten, es ableh­nen werden, sich vor dir zu verbeugen. Der König rief dann Ja’far bin Abi Talib, der das Oberhaupt der Aus­wanderer der Muslime nach Abessinien war, und fragte ihn über das Problem zwischen den Muslimen und den Götzen.

Als Ja’far bin Abi Talib ankam, lehnte er es ab, sich vor dem König zu verbeugen. Der König fragte: Wieso verbeugst du dich nicht? Ja’far sagte: Wir verbeugen uns nur vor Gott, der Euch erschaffen hat und Euch zum König gemacht hat. Verbeugung als Gruß ist der Gruß der Götzen. Gott sandte uns einen wahren Prophet, der uns beibrach­te, andere zu grüßen, wie Gott es mag, dies, indem wir ‚Frieden auf dir‘ zu ihm sagen. König Najashi sagte: Oh Ja’far, was sagen die? Ja’far antwortete: Oh König, was sagten die? König Najaschi sagte: Sie baten mich, Euch zu ihnen auszuliefern. Ja’far antwortete: Oh König, frag sie, ob wir deren Sklaven sind. Die Abgesandten der Götzen antworteten: Nein, seid ihr nicht. Ja’far sagte: Sind wir bei ihnen in der Schuld? Die Abgesandten der Götzen antworteten: Nein, seid ihr nicht. Ja’far sagte: Haben wir einen von euch getötet? Die Abgesandten der Götzen antworteten: Nein. Ja’far sagte: Was wollt Ihr dann von uns? Ihr habt uns verletzt und wir wanderten aus aus eurem Land. Die Abgesandten der Götzen sagten: Oh König, sie wandten sich ge­gen unsere Religion, sie verdarben unsere Jugendliche, und sie spal­teten unsere Gesellschaft, daher liefere sie an uns aus, um unsere Ge­sellschaft wieder zu sammeln. Ja’far antwortete: Oh König, Gott hat uns erschaffen, und wir waren Götzenanbeter, aßen Fleisch von Toten, taten schmutzige Dinge, schadeten den Menschen, die Starken handelten ungerecht gegenüber den Schwachen, dann sandte Gott uns einen Prophet, dessen Vorfah­ren wir als wahrhaftig, fromm und keuch wissen. Er ist der eine, den Jesus versprochen hat und den er unter dem Namen „der Gepriesene“ ankündigte. Er ordnete uns an, Gott allein anzubeten und die Götzen zu verlassen, er ordnete uns an, zu beten und Almosen zu geben. Er verbietet ungerechte Taten, Mord, Unzucht, Kredite mit Zinsen, To­tes zu essen, Blut zu trinken, Lügen zu erzählen, das Geld der Waisen zu bestehlen, Schweinefleisch zu essen. Er ordnete uns an, gerecht zu handeln, Freundlichkeit, Nächstenliebe, die Wahrheit zu sagen, er mahnt uns zu guten Taten und verbietet uns die schmutzigen und schlechten Taten. Daher glauben wir an ihn und folgen ihm. Darauf­hin begann unser Volk damit, uns feindlich gegenüber zu stehen und uns zu foltern – aus diesem Grund wanderten wir in dein Königreich aus.

König Najaschi sagte: Ja, Jesus versprach ein Prophet nach ihm.

Dann rief der König die Priester um an dem Dialog teilzunehmen. Als die Priester ankamen, sagte der König: Oh Ja’far, kannst du mit etwas von dem berichten, was deinem Propheten geoffenbart wurde? Ja’far antwortete: Ja.

Dann rezitierte Ja’far das Kapitel „ Die Römer“ und das Kapitel „Die Spinne“ des heiligen Qurans, daraufhin bat der König, ihm mehr vor­zulesen. Auf diese Bitte rezitierte Ja’far das Kapitel „Die Höhle“. Als die Abgesandten der Götzenaraber die Tendenz des Königs zum Quran steigen sahen, sagten sie: Oh König, Sie schmähen Jesus und seine Mutter. Dann rezitierte Ja’far das Quran-Kapitel „Maria“, und als Ja’far bei dem folgenden Vers angekommen war, hörte der König genau hin. [und schüttele den Stamm der Palme in deine Richtung, und sie wird frische reife Datteln auf dich fallen lassen.] Daraufhin kamen dem König die Tränen und auch den Priestern, die dort anwesend waren, flossen die Tränen.

Der Abgesandte der Götzenaraber sagte: Oh König, sie sind nicht in Einstimmung mit Eurer Meinung über Jesus, sie sagen: Er ist ein Diener. Der König schaute zu Ja’far und sagte: Was sagt dein Prophet über Jesus? Ja’far sagte: Er sagt über ihn, was Gott über ihn sagte, er ist sein Wort, welches er Maria gewidmet hat, und ein Geist von ihm und sein Gesandter, er wurde von der Jungfrau Maria geboren, welche von keinem Manne angerührt wurde.

Dann nahm Najashi einen schmalen Stock und sagte: Die Differenz zwischen unserer Aussage und der Aussage der Muslime über Jesus ist nicht größer als das Gewicht dieses Stockes. Der König schaute die Abgesandten an und sagte zu ihnen: Geht zu­rück nach Hause, ich werde euch die Muslime nicht ausliefern.

Dann gab der König die Geschenke zurück, die die Araber ihm sand­ten. Dann sagte der König zu den Priestern, dass sie sich mit Ja’far hin­setzen sollen und den Quran lesen sollen und die Beschreibung Mu­hammads anhören sollen, ob er der versprochene Prophet ist oder nicht.

Nach all dem sandte der Prophet Muhammad dem König Najashi eine Nachricht. Als der König die Nachricht las, sagte er: Ich schwö­re bei Gott, dass er der Prophet ist, auf den die Christen warten. Da­nach sandte der König eine Delegation mit seinem Sohn und dreißig Priestern zum Propheten. König Najashi sagte zu den Priestern: Schaut den Propheten Mu­hammad an, und seht euch seine Art zu reden an. Achtet genau auf das, was er sagt, achtet genau auf die Art, wie er sitzt, achtet auf den Platz, wo er sitzt, die Art, wie er isst, was er isst, seine Art, wie er trinkt, was er trinkt, seine Art, wie er betet und wo er betet. Als die Priester ankamen, fanden sie den Propheten in der Moschee betend vor.[**] Sie schauten zu, wie der Prophet betete, dann saßen sie mit ihm und fragten ihn einige Fragen und als sie mit ihren Fragen fertig waren, lud der Prophet Muhammad sie zum Islam ein und rezitierte ihnen Folgendes: [Wenn Allah sagen wird: „O Jesus, Sohn der Maria, geden­ke Meiner Gnade gegen dich und gegen deine Mutter; wie Ich dich stärkte mit der heiligen Eingebung – du sprachst zu den Menschen sowohl in der Wiege als auch im Mannesalter; und wie Ich dich die Schrift und die Weisheit lehrte und die Tho­ra und das Evangelium; und wie du mit Meiner Erlaubnis aus Ton bildetest, was wie Vögel aussah, du hauchtest ihm dann (Atem) ein, und es wurde mit Meiner Erlaubnis zu (wirklichen) Vögeln; und wie du mit Meiner Erlaubnis die Blinden und die Aussätzigen heiltest; und wie du mit Meiner Erlaubnis die Toten erweck­test; und wie Ich die Kinder Israels von dir abhielt als du zu ih­nen mit deutlichen Zeichen kamst und die Ungläubigen unter ihnen aber sagten: „Das ist nichts als offenkundige Zauberei.““][1] Dann flossen den Priestern die Tränen und sie konvertierten zum Islam. Als sie zurück zum König gingen, erzählten sie ihm, dass er der versprochene Prophet ist. Sie beschrieben ihm den Propheten Muhammad und erzählten ihm, was der Prophet ihnen rezitiert hatte. Danach flossen dem König Najashi die Tränen und auch er konvertierte zum Islam und entschied sich dazu, zum Prophe­ten Muhammad gehen. Als er auf dem Meer war in Richtung Medina, starb er auf dem Schiff und seine Diener gingen zu­rück nach Abessinien, um ihren König zu begraben.

Ein Engel kam zum Propheten Muhammad und sagte ihm, dass der König dahingeschieden ist, während er auf dem Weg zu ihm war, demzufolge stand der Prophet auf und wandte sich in Richtung Abessinien und erwähnte den Namen Gottes fünf Mal. Dann wandte er sich zu den Muslimen und sagte ihnen: Armah, ein frommer Mann aus Abessinien starb, kommt, um für ihn zu beten.[2]

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Fußnote    (↵ zurück zum Text)

  1. Najashi ist die arabische Form von Negus
  2. Der Ort, an dem die Muslime beten 
  3. Quran 5:100
  4.  Bihar al-anwar, Band 18, Seite 414  und al-Sahih men sirat al-naby, Band 3, Seite 122, von Ja’far al-Amili

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