5.1 Die Geschichte eines iranischen Priesters

Im 19. Jahrhundert gab es im Westen des Irans einen assyrisch-ortho­doxen Priester, dieser Priester bereiste die ganze Welt, um Priester in anderen Ländern zu treffen, bis er einen Katholiken aus der Groß­stadt traf. Er hatte einige Diskussionen mit ihm, woraufhin der irani­sche Priester zur katholischen Konfession konvertierte und zum Vati­kan reiste.

Er lebte Jahre im Vatikan, um sich mehr Wissen anzueignen. Er war sehr eng mit einem Erzbischof[*] im Vatikan bekannt, es gab eine Freundschaft zwischen ihnen, und er nahm einen besonderen Platz im Herzen des Erzbischofs ein.
Einmal hatte der iranische Priester eine Diskussion unter den Pries­tern über die Bedeutung des Wortes Parakletos mitgehört, welches im Johannes-Evangelium erwähnt wird.
Dann ging der Priester zum Erzbischof, und während eines Gesprä­ches erzählte er dem Erzbischof von der scharfen Diskussion über die Bedeutung von Parakletos.
Der Erzbischof fragte den Priester über die verschiedenen Meinun­gen und über die Bedeutung des Wortes Parakletos, die von den Priestern in der Diskussion gegeben wurden.
Demnach antwortete der Priester ihm und erzählte, was er gehört hat­te.
Der Erzbischof fragte ihn, welche Meinung er annimmt.
Der Priester sagte, dass er die Meinung annimmt, die besagt, dass das Wort Tröster bedeutet.
Der Erzbischof sagte ihm, dass die wahre Bedeutung von Parakletos eine andere sei als all die Meinungen, die während der Diskussion er­wähnt wurden. Er betonte, dass in seiner Zeit keiner die wahre Be­deutung des Wortes kenne, außer jenen, die fest verwurzelt seien im Wissen und davon gäbe es nur sehr wenige.
Dann begann der Priester den Erzbischof anzuflehen, ihm die wahre Bedeutung von Parakletos zu sagen.
Daraufhin flossen dem Erzbischof die Tränen und er sagte dem Priester Folgendes: Du bist mir die liebste Person und ich kann nie­mals deine Wünsche ablehnen, obwohl die Erklärung der wahren Be­deutung von Parakletos sehr segensreich ist, wird uns dies den Tod bringen. Wenn du mir versprichst, die Bedeutung nicht während mei­nes Lebens weiterzuerzählen und meinen Namen nach meinem Tod nicht zu erwähnen, dann werde ich dir es erklären.
Der Priester versprach es dem Erzbischof.
Und daraufhin sagte der Erzbischof: Das ist der Name des Propheten der Muslime, es bedeutet der Gepriesene.
Dann gab der Erzbischof dem Priester einen Schlüssel zu einer priva­ten Kammer und sagte zu ihm: Du wirst in dem Raum eine Schachtel finden, in der sich zwei alte Bücher befinden, bring sie mir bitte.
Der Priester brachte die zwei Bücher, sie waren vor der Zeit des Is­lam geschrieben, das einer der Bücher war in griechischer, das ande­re in syrischer Sprache verfasst. Dann öffnete der Erzbischof das Buch und zeigte ihm, dass dort der Gepriesene geschrieben stand, der Name des Propheten der Muslime.
Dann sagte der Erzbischof: Vor dem Erscheinen des Propheten der Muslime, gab es keine Meinungsverschiedenheit unter den christli­chen Übersetzern und Gelehrten, dass die Bedeutung der Gepriesene ist. Später jedoch, nachdem der Prophet der Muslime erschienen war, haben die christlichen Führer alle Bücher zum Verschwinden ge­bracht, und das Wort „pericletos“, welches der Gepriesene bedeutet, in „Parakletos“ umgeändert, welches der Tröster bedeutet und noch einige andere Bedeutungen besitzt. Nur weil die damaligen Priester in der Zeit nicht ihre soziale Stellung verlieren wollten, haben sie eine neue Bedeutung und Erklärung für Parakletos kreiert, was das Evangelium sicherlich nicht meinte.
Wer auch immer das Evangelium liest, kommt einfach zu diesem Fakt. Denn der Satz des Verses passt nicht zu ihrer Behauptung, dass der Tröster der heilige Geist ist.
Jesus selbst sagte, dass Parakletos nicht kommen wird, wenn er selbst nicht geht. [denn wenn ich nicht hingehe, so kommt der Bei­stand nicht zu euch. ] [1]
Genau aus dem Grund, weil es nicht zwei Propheten mit verschiede­nen Gesetzen in der selben Zeit geben kann. Hingegen existierte der heilige Geist während der Lebzeiten Jesu, und sie (die Christen) ha­ben womöglich vergessen, dass der heilige Geist mit den zwölf Apo­steln war, als sie gingen um jede Krankheit zu heilen, so wie es im Matthäus- Evangelium[2] erwähnt wird.
Daraus schließen wir fest, dass die Erscheinung des heiligen Geistes festgesetzt ist mit dem Verschwinden Jesu, deswegen kann das Wort Parakletos nicht die Bedeutung des heiligen Geistes haben.
Folglich kann Parakletos nichts bedeuten außer der Prophet.
Dann sagte der Priester: Was sagst du über das Christentum?
Der Erzbischof antwortete: Das Christentum wurden durch die Reli­gion von Muhammad aufgehoben.
Der Priester sagte: Was ist der Weg zum Leben und der wahre Pfad zu Gott in unserer Zeit?
Der Erzbischof antwortete: Der einzige Weg und der einzige Pfad zu Gott ist, Muhammad zu folgen.
Der Priester sagte: Sind seine Anhänger auf dem richten Pfad?
Der Erzbischof antwortete: Ja.
Der Priester sagte: Wieso konvertierst du dann nicht zum Islam, wenn du weißt, dass das der richtige Weg ist?
Der Erzbischof sagte: Ich kam nicht zur Erkenntnis der Richtigkeit und Überlegenheit des Islams, bis ich alt wurde; innerlich bin ich ein Muslim, jedoch kann ich das nicht zeigen. Du kennst meinen bedeut­samen und hohen Status unter den Christen, wenn sie auch nur eine Tendenz an mir zum Islam sehen, würden sie mich direkt töten.
Ich sah viele Priester zum Islam konvertieren, jedoch haben die Mus­lime sie allein gelassen in ihrem Leiden und bei den Schwierigkeiten ihres Lebens.
Deswegen kann ich nicht zum Islam konvertieren, denn ich habe in meinem hohen Alter nicht mehr die Kraft, all die Schwierigkeiten des Lebens alleine entgegenzutreten.
Dem Priester und dem Erzbischof flossen die Tränen.
Dann sagte der Priester: Oh, heiliger Vater, empfiehlst du mir zum Is­lam zu konvertieren?
Der Erzbischof antwortete: Wenn du den wahren Weg durchstehen willst, dann hast du die Wahrheit zu akzeptieren.

Dann entschloss der Priester, den Vatikan zu verlassen und zurück in den Iran zu gehen. Er ließ seine ganze Habe im Vatikan zurück, au­ßer drei Büchern und einigen wenigen Dingen, die er mit sich nahm. Der Erzbischof half dem Priester, zurück nach Hause zu reisen und gab ihm etwas Geld zum Geschenk, um es für die Reise zu benutzen.

Als der Priester in seiner Heimat, in der Stadt Urmia im Iran, ankam, lief er direkt zum Haus eines muslimischen Gelehrten namens Mirza Hassan Mujtahed, um ihn darum zu bitten, ihm zu zeigen, wie man ein Muslim werden kann.

Anschließend suchte er sich einen islamischen Namen aus – Mu­hammad Sadiq. Nur wenige Tage nach seiner Ankunft im Iran, mach­te er seine Konvertierung zum Islam öffentlich. Er ging dann in eine islamische Schule, um den Islam zu lernen, später reiste er nach Na­jaf, eine Stadt im Irak, um an der größten islamischen Universität zu studieren.
Danach wurde er zu einem muslimischen Gelehrten und ging zurück in seine Heimat Urmia, um den Islam zu verbreiten und mit den christlichen Priestern zu debattieren. Er kam zu großem Ansehen im westlichen Iran, weil alle Leute über den Priester sprachen, der ein Scheikh[**] wurde. Dann im Jahre 1887, als sein Ruf im ganzen Iran verbreitet war, lud ihn der iranische König Naser al-Din Qajar zu sich, um die Geschichte seiner Konvertierung zu hören. Der König fand seine Geschichte aufregend, daher bat er ihn, ein Buch über sei­nen Wandel und die islamischen Lehren zu schreiben.
Er schrieb seine Geschichte über seine Konvertierung in einem zwei­bändigen Buch, dieses nannte er Anis al-Alaam, jedoch wurde es in acht kleineren Bände veröffentlicht, damit man es leichter lesen kann.
Danach schrieb der Ex-Priester noch viele verschiedene Bücher über den Islam und das Christentum, seine Bücher wurden sehr beliebt bei den Muslimen wie bei den Christen.
Sowohl Muslime auch als Christen reisten nach Urmia, um seine Re­den und Debatten mit den christlichen Priester anzuhören. Denn er war sehr wissend und erfahren im Christentum, er sprach Syrisch (alte Kirchensprache) und Hebräisch perfekt, daher war er fähig, die Bibel zu verstehen und die Texte zu benutzen, um die Wahrheit zu beweisen.
Im Jahr 1911 starb er nach langen Jahren im Dienste des Islam.

 ________________________________________________________________________

Fußnote    (↵ zurück zum Text)

  1. Leider ist jede Version etwas anders geschrieben, mal ist es der Papst, mal der Erzbischof. Die Geschichte ist im Original im Persischem geschrie­ben, die Perser benutzen das Wort “Vater” für den Papst, Kardinal, Erz­bischof und Priester. Um auf der sicheren Seite zu sein, haben wir für die Übersetzung “Erzbischof” ausgewählt.
  2. John 16 : 7 
  3. Matthäus 10 : 1 
  4.  Das Wort Scheikh wird für den islamischen Gelehrten benutzt. 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.